Was ist Applied Behavior Analysis?

Als wesentliche Bestandteile der Behandlung bei Autismus gelten heute folgende Kriterien: ein möglichst früher Beginn (günstigenfalls im Kleinkindalter), die Einbeziehung der Eltern als „Co-Therapeuten“ für ihr Kind sowie ein von Experten durchgeführtes, strukturiertes Programm zur Entwicklungsförderung (vgl. Hippler & Sousek, 2008).

Die Angewandte Verhaltensanalyse oder Applied Behavior Analysis (ABA) erfüllt diese Kriterien und gilt als die derzeit wissenschaftlich am besten abgesicherte bzw. wirksamste Methode zur Behandlung des Autismus (Bölte & Poustka, 2002; Myers et al., 2007). Die Methode gründet auf einem behavioristisch geprägten verhaltensanalytischen Ansatz und ist auf den Prozess einer Verhaltensänderung im Sinne der Entwicklung von adaptivem, prosozialem Verhalten sowie der Verringerung von nicht angepasstem bzw. fremd- und selbstschädigendem Verhalten ausgerichtet. Die Grundlagen und Prinzipien der ABA-Methode wurden durch B. F. Skinner und andere Verhaltenswissenschaftler gelegt. Ivar Lovaas war jedoch einer der ersten, der diese Prinzipien bei Kindern mit Autismus anwandte und deren Wirksamkeit in der Folge wissenschaftlich zu belegen versuchte. Lovaas begann in den 1960er Jahren am Neuropsychiatrischen Institut der Universität von Kalifornien in Los Angeles intensiv (30 – 40 Stunden die Woche) mit jungen autistischen, großteils kognitiv beeinträchtigten und nicht- sprechenden Kindern zu arbeiten und konnte zeigen, dass diese von der intensiven Verhaltenstherapie sehr profitierten, Sprache erlernten und große Fortschritte im kognitiven Bereich machten (Lovaas, 1987; McEachin, Smith, & Lovaas, 1993). In den 1980er Jahren entwickelten u. a. Jack Michael, Mark Sundberg und James Partington ein Konzept für die Unterrichtung grundlegender sprachlicher Fähigkeiten auf der Grundlage von B.F. Skinners Theorie des sprachlichen Verhaltens („Verbal Behavior, VB“). Sie konnten dadurch die Effektivität der Methoden der angewandten Verhaltensanalyse (ABA) wesentlich steigern (vgl. Sundberg & Michael, 2001). Was ursprünglich als "Lovaas-Therapie" bekannt war, wurde mittlerweile durch modernes ABA ersetzt, inklusive Formen von ABA mit Verbal Behavior (ABA/VB). Moderne ABA Methoden basieren auf der Erarbeitung eines individuell auf das Kind zugeschnittenen Programms zur intensiven Förderung in allen relevanten Entwicklungsbereichen und verwenden Verstärker zum Motivationsaufbau. Das Grundprinzip ist, dass zu lernende Inhalte in einfache Lernelemente zergliedert und schrittweise erarbeitet werden. Ziel ist die Förderung von Aufmerksamkeit, Imitationsverhalten, Sprache und Kommunikation, „Selbsthilfefertigkeiten“ und adaptive Verhaltensweisen sowie Sozialverhalten.

Zwischen 1985 und 2006 sind über 500 empirische Artikel in wissenschaftlichen Fachzeitschriften über ABA und ABA/ VB erschienen (Lovaas & Wright, 2006). Immer mehr Studien belegen, dass durch ABA/VB etwa die Hälfte aller behandelten Kinder sogar ein normales Funktionsniveau in Bezug auf Intelligenz, Sozialverhalten und Emotionalität erreichen kann (Cohen et al., 2006; Howard et al., 2005; Sallows & Graupner, 2005). Daher halten wir ABA/ VB für die Methode der Wahl, wenn es um die Etablierung eines neuen Ausbildungsangebotes für Fachleute und Therapiemöglichkeiten für betroffene Kinder in Österreich nach international anerkannten, wissenschaftlich fundierten Methoden geht.

 

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